Einstieg 1999 vs. 2003 — was wäre besser gewesen?
Wir testen den schlimmsten und den besten Einstiegszeitpunkt rund um die Dotcom-Blase — mit echten historischen Renditen.
Es ist das Jahr 1999. Die New Economy boomt, Neuer Markt und Nasdaq schießen in den Himmel, jeder redet über Aktien. Du hast gespart, du hast 10.000 Euro — und du investierst. Einmalig. Alles in einen MSCI World ETF.
Drei Jahre später bist du um mehr als die Hälfte ärmer. Dein Depot zeigt 4.600 Euro.
Dann gibt es jemand anderen. Derselbe Betrag, aber er wartet. Wartet die ganze Krise ab. Steigt erst 2003 ein — als es schon wieder aufwärts geht, als die Schlagzeilen noch trist sind, aber die Kurse sich erholen.
Wer hatte am Ende mehr? Die Antwort ist komplexer als du denkst.
Was die Dotcom-Blase wirklich war
Wer die späten 1990er nicht erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, welche Euphorie damals herrschte. Der MSCI World legte allein 1999 rund 25 Prozent zu — auf Eurobasis sogar deutlich mehr, da der Euro damals gegenüber dem Dollar stark schwächelte. Jede Woche ein neues Börsen-IPO, jede Woche neue Rekorde.
Dann kam März 2000. Kein klarer Auslöser, keine Warnung. Die Kurse brachen einfach ein — und hörten nicht auf zu fallen.
Das Ergebnis: 10.000 Euro, zwei Zeitpunkte
Nehmen wir eine einfache Einmalanlage: 10.000 Euro, investiert in einen MSCI World ETF — einmal Ende 1999, einmal Ende 2003. Beide halten bis Ende 2024.
aus 10.000 € Startkapital
ca. +6,8 % p.a. im Schnitt
aus 10.000 € Startkapital
ca. +10,2 % p.a. im Schnitt
Was wäre mit einem Sparplan?
Viele Anleger investieren nicht alles auf einmal, sondern monatlich. Und da dreht sich die Geschichte dramatisch: Beim Sparplan ist der 1999er Einsteiger fast im Vorteil — denn er kauft die günstigen Anteile 2001, 2002 und 2003 automatisch mit.
Spiel es selbst durch im Rechner:
🧪 Dotcom-Vergleichsrechner
Historische MSCI-World-Renditen 1999–2024 in EUR (Net Total Return)
Historische MSCI World Net Total Return Renditen in EUR. Ohne Steuern und ETF-Kosten (TER ~0,2 %). Historische Renditen sind keine Garantie. Keine Anlageberatung.
Was lehrt uns das Experiment?
🔑 Die wichtigsten Erkenntnisse
- Timing kostet — aber nicht alles. Selbst der schlimmste Einstiegszeitpunkt seit 50 Jahren hat bei 25 Jahren Haltedauer positiv abgeschlossen.
- Der Schaden beim Sparplan ist geringer. Wer monatlich investiert, kauft automatisch in der Krise günstiger nach — der Cost-Average-Effekt puffert das Timing-Risiko erheblich ab.
- 13 Jahre ist lang. Wer 1999 einstieg und 2008 wieder stieg auf, musste bis 2013 warten, um wieder im Plus zu sein. Das ist psychologisch brutal — und der eigentliche Grund, warum viele aufgeben.
- Der perfekte Zeitpunkt ist nie erkennbar. Im März 2003 sagten alle Schlagzeilen: Krieg im Irak, Wirtschaftseinbruch, keine Erholung in Sicht. Wer damals kaufte, brauchte Mut — nicht Wissen.
- Lang genug warten schlägt alles. Beide Einsteiger, 1999 und 2003, haben nach 20+ Jahren eine positive reale Rendite. Der Markt braucht Zeit — aber er arbeitet.
Und wenn man den Crash abwarten wollte?
Stell dir vor, du hast 1999 nicht investiert — weil du geahnt hast, dass etwas nicht stimmt. Du wartest. Du wartest 2000, 2001, 2002. Und im März 2003 kaufst du auf dem Tiefpunkt. Glückwunsch: Du hattest recht.
Aber: Wie viele Menschen haben genau das geschafft? Die Psychologie zeigt, dass die meisten, die 1999 ausgestiegen sind, auch 2003 nicht gekauft haben — weil die Nachrichten immer noch schlecht klangen. Stattdessen stiegen viele 2006 oder 2007 wieder ein. Kurz vor der nächsten Krise.
Das perfekte Timing funktioniert in der Theorie. In der Praxis kauft man meistens zu spät nach dem Crash — und trotzdem zu früh vor dem nächsten.
Nächstes Experiment
Was wäre passiert, wenn man den Corona-Crash im März 2020 ausgesessen hätte? Oder verkauft hätte? Im Anlagelabor rechnen wir das durch.
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